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Presse
/ Interviews
- Leben im Wald - zum
Jahr des Waldes (SWR-Rundfunk 2011)
- Draußen sein
(Süddeutsche Zeitung Magazin 2010)
- Draußen sein (Radio
Deutschlandfunk 2010)
- Ein Jahr im Wald
(Newsage 2008)
- Leben im Wald (Radio
RS2 Berlin 2007)
- Zurück zum Ursprung
(Badische Zeitung 2004)
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Ein Jahr im Wald
Interview
mit Tim von Lindenau von Gina Janosch
(Newsage 2008)
Tim
von Lindenau ist ein Frühstarter und ein Multitalent. Schon mit 13 zog
er musizierend durch die Gegend und erkundete das Land. Er erlernte das
Tischlerhandwerk und verdiente als selbständiger Bühnentechniker sein
Geld. Doch eines Tages bekam er einen „Rappel“ und riss sich aus seinem
alten Leben los, um ohne Zelt, Schlafsack und Verpflegung ein Jahr im
Wald zu leben. Diese Zeit veränderte ihn grundlegend. Der immer noch
junge Mann mit langem Rauschebart und blonder Mähne begann, Bücher zu
schreiben, und beschäftigte sich eingehend mit keltisch-germanischer
Mythologie und Geschichte.
newsage:
Wie kamen Sie darauf, ein Jahr im Wald zu leben? Und wie sah Ihr Leben
dort aus?
Im
Jahr 2001 beendete Ich meine Laufbahn als Bühnentechniker mit einem
Kleinunternehmen. Ich hatte das Gefühl überarbeitet zu sein und mich
nicht auf meinem Weg zu befinden. Auf der Suche nach dem eigenen
Ursprung und der Neuorientierung für die Zukunft zog ich mich für ein
halbes Jahr ins Ausland zurück. Draußen in der Natur, in einer Höle
hausend, fing ich an ein Buch über essbare Wildpflanzen zu schreiben.
Ethnologie sowie keltische und germanische Geschichte gingen einher.
Nach meiner Rückkehr war es mir unmöglich zurück in die Stadt zu ziehen
und so lebte ich weitere neun Monate größtenteils im Wald und vertiefte
dort meine Studien.
newsage:
Haben Sie schon früher Erfahrungen mit dem Wald gemacht?
Für
Kinder ist der Wald der schönste Spielplatz, auf dem man Abenteuer
erleben darf, die weder Schaukel noch Rutsche bieten können. Ich wuchs
quasi am Waldrand auf. Auch die längste Phase meiner Schulzeit führte
mein halbstündiger Schulweg durch den Wald.
newsage:
Sie haben auch ein Buch über essbare Pflanzen geschrieben. Was haben
Sie alles gegessen? Was waren die ungewöhnlichsten Nahrungsmittel, die
Sie entdeckt und zu sich genommen haben?
Ich
sammelte alles, was mir essbar erschien und bestimmte Pflanzen die ich
bis dahin noch nicht kannte. Ich muss sagen: Deutschland und besonders
der Schwarzwald sind das reinste Schlaraffenland. Wo man hinschaut
überall saftiges Grün und fast alles kann man essen. Es ist auch
keinesfalls so, dass man sich bei dem Gedanken vor kommen muss wie eine
Kuh auf der Wiese, oder ein Hase im Feld. Nein, es ist wirklich
erstaunlich welche Vielfalt uns die Natur auf den Tisch stellt.
Früchte, Wurzeln, Gemüse und Kräuter sind uns als Grundnahrungsmittel
ja auch bekannt, wie etwa Äpfel, Kartoffeln, Lauch und Petersilie. All
das finden wir in verwandter Form auch im Wald und auf den Wiesen. Zum
Beispiel: Holzäpfel, Wildkirschen, Beeren, wilde Möhren, diverse
Blätter und Kräuter.
Ein
Zucht -Obst und -Gemüse verwöhnter Mensch muß da allerdings seine
Abstriche machen: Ein Holzapfel trägt ja nicht umsonst seinen Namen, da
er sehr holzig, eben nicht leicht zu kauen ist. Und die wilde Möhre,
zwar im Geschmack und Aroma der Zuchtmöhre weit überlegen, ist dafür
aber sehr faserig. Viele Wildgemüse und Kräuter haben für nichtgewöhnte
zudem einen scharfen und bitteren Nachgeschmack. Das ist beispielsweise
mit unterschieden beim Fleisch zu vergleichen: Wild hat da auch seinen
ganz speziellen Geschmack, der beim gezüchteten Schwein oder der Kuh
nicht vorkommt.
Alles
in allem kann ich nicht verstehen, wie es in unseren Breitengraden
jemals Hungersnöte geben konnte. Wenn die Menschen bescheit gewusst
hätten, so wären sie in die Wälder gezogen und hätten für alle
ausreichend Nahrung gefunden.
newsage:
Hat sich Ihr ökologisches Bewusstsein verändert? (Konnte und kann man
Sie beispielsweise im Bioladen antreffen?)
Natürlich
hat die intensive Zeit im Wald mein Bewusstsein verändert – auch in
ökologischer Hinsicht. Im Bioladen konnte man mich allerdings schon vor
dieser Zeit antreffen.
newsage:
Das Thema Borreliose ist gerade wieder in aller Munde und auch Thema
dieser Ausgabe unseres Magazins. Haben Sie Probleme mit Zecken gehabt?
Nein
mit Zecken hatte ich keine Probleme. Zecken sind ja ganz gewöhnliche
Tierchen und genießen derzeit einfach sehr viel Aufmerksamkeit.
Sicherlich können Zecken Probleme machen, aber die Statistiken sprechen
von einer Erkrankungswahrscheinlichkeit von 0,5 % - sollte man gebissen
werden. Man müsste 200 Zecken gehabt haben um dann tatsächlich mal zu
erkranken. Ein gesunder Mensch sollte nicht gleich in Panik verfallen
wenn er mal eine Zecke am Leib findet – entfernt man die Zecke
innerhalb der ersten drei bis vier Stunden sinkt die Gefahr einer
Erkrankung auf nahezu 0%.
newsage:
Sie sprechen von der anderen Seite des Waldes. Was ist diese andere
Seite und wie offenbart sich diese Ihnen?
Die
Andere Seite des Waldes ist eine Parallele zu der uns bekannten - dort
leben im Folksglauben Geister und Mythengestallten. Hier gelten uralte
Regeln und Gesetze, die unserer heutigen Welt teilweise sehr gut täten.
Die
Anderwelt, wie ich sie erlebe, ist nicht die aus alten Geschichten -
der Zahn der Zeit nagt nicht nur auf unserer Seite, aber auf beiden
Seiten hat das seinen tieferen Sinn. Die Wesen aus den alten
Geschichten haben sich mit der Zeit auch weiterentwickelt und nutzen
neue Erkenntnisse - jedoch scheinen ihnen Traditionen viel wichtiger zu
sein wie uns. Die Geister des Waldes brauchen keinen modernen
Schnickschnack. Alles, was sie zum Leben benötigen, bietet ihnen die
Natur.
newsage:
Sie haben wunderschöne Fotos vom Wald gemacht. Fast kann man die
Präsenz von Wesen der anderen Seite beim Betrachten spüren. Was hat Sie
zu den Bildern inspiriert?
Um
diese Frage am besten zu beantworten kann ich Ihnen nur raten raus in
den Wald zu gehen, alle gesellschaftlichen Lasten Zuhause zu lassen und
sich einfach unter einen großen Baum abseits der Wanderwege zu setzen,
tief durchzuatmen, einen Moment die Augen zu schließen, zu lauschen, zu
richen und zu spühren, was Sie dort umgibt. Wenn Sie dann nach einer
Weile die Augen wieder öffnen, finden Sie die Antwort auf Ihre Frage.
newsage:
Versetzt der Wald Sie automatisch in einen anderen Bewusstseinszustand?
Haben Sie schon andere hellsichtige Erfahrungen gemacht?
Sagen
wirs mal so: Ich habe in meinem Leben viele merkwürdiger Erfahrungen
gemacht – ob die hellsichtig waren ist eine schwer zu beantwortende
Frage. Wenn ich raus in den Wald gehe und das Glück habe eine große
Portion innerlicher Ruhe bei mir zu tragen, dann erlebe ich im Wald
sicherlich mehr merkwürdiges wie anderswo. Jedoch ist mein
Bewusstseinszustand der selbe, unabhängig vom Ort. Der Wald ist für
mich ein heiliger Ort – In ihm kommen mir auf jeden Fall Gedanken, die
man durchaus als Hellsichtig betrachten könnte.
newsage:
Welches war Ihre erstaunlichste Begegnung mit einem Naturgeist? Sind
Sie jemals einer Fee begegnet?
Ich
möchte nicht jede Begegnung, die ich mit den kleinen Leuten teilte in
die Öffentlichkeit tragen, aber ich bin Feen begegnet. Ich möchte dazu
nur einige Missverständnisse beseitigen. Feen sind nicht gleich Feen.
Zwar können Feen fliegen (wenn sie wohl auf sind) aber sie sind keine
kleinen Barbiepüppchen, die mit großen Kulleraugen Kinderherzen höher
schlagen lassen. Sie sind von verschiedener Gestallt, erstrecht von
unterschiedlichsten Charaktären und bestimmt nicht putzig. Wenngleich
sie auch die unwiederstehliche Angewohnheit besitzen die Menschen zu
verzaubern. Die meisten Feen, die ich zu Gesicht bekam, waren schneller
wieder fort wie ich auf sie reagieren konnte. Machte ich allerdings die
Bekanntschaft mit einer, entsprach das, was ich erlebte, nicht den
allgemeinen Wunschgedanken.
newsage:
Was bedeuten Bäume für Sie?
Bäume
sind für mich die Säulen der Erde. Ein Leben ohne Bäume ist für mich
undenkbar.
newsage:
Sie beschreiben auch Schattenseiten des Waldes, wo Vorsicht geboten
ist. Wie erkennen Sie diese dunklen Energien und wie gehen Sie damit um?
Die
Möglichkeiten die Schattenseiten zu erkennen hier aufzuzählen, würde
den Rahmen des Interviews sprengen. Jeder sollte aber auch für sich
selbst erkennen können, wenn irgendetwas nicht stimmt. Ich lasse mir in
so einem Fall nicht die Laune verderben und gebe Acht, dass ich
niemanden provoziere.
newsage:
Sie sagen, die Dämmerung sei die Zeit der Anderwelt. Was ist besonders
an der Dämmerung?
In
einem meiner nächsten Bücher gehe ich näher auf das Thema ein.
Schwellenzeiten sind Zeiten, in denen die Grenze zur Welt der Geister,
kleinen Leute und anderem Gelichter besonders durchlässig ist: in
Nebeln und Stürmen, wenn Blitze vom Himmel schlagen, am Umbruch von Tag
und Nacht – da erscheinen und widerfahren den Menschen seit jeher
merkwürdige Dinge. Vor diesen Toren entstanden Mythen und Märchen,
Angst und Schrecken, Glaube und Aberglaube.
newsage:
Interessieren Sie sich auch für andere esoterische Themen oder
Glaubensrichtungen? Was ist Erleuchtung für Sie?
Hierzu
möchte ich weiter ausholen. Ist das Wort Esotherik überhaupt noch
sinngemäß in den Bereichen, wo wir es gebrauchen? Geheimhaltung hat ja
nichts mit öffentlicher Spiritualität zu tun. Da ist der Begriff nicht
angebracht, aber wenn man die Probleme der modernen Esoterik näher
betrachtet, so gewinnt der Ausdruck dann doch wieder an Bedeutung. Die
heute sogenannten Esoteriker scheinen in erster Linie Suchende zu sein.
Menschen, die sich einen tieferen Sinn im Leben erhoffen und ganz fest
daran glauben, dass Gott und das Universum kleine und größere
Geheimnisse beinhalten, die es aufzustöbern gilt, um mit ihnen dem
Leben einen tieferen Sinn zu verleihen. Das hört sich verlockend an und
ebenso verlockend sind auch die Angebote vieler, die dem Suchenden
einen von unzähligen Wegen weisen. Hoffnungsvoll müht sich dann der
Suchende auf steinigen Pfaden ab. Die Sonne brennt erbarmungslos auf
den kleinen Menschen hinunter und seinem Geist dürstet es nach der
erleuchtenden Erfrischung, die doch da irgendwo auf ihn warten muss ...
Aber Geduld scheint gefragt zu sein, da, wo die Erkenntnisse liegen,
denn viele Suchende bleiben am Wegesrand vor Erschöpfung liegen und
hadern mit den Geschichten die man ihnen erzählte. Jetzt bekommt der
Begriff Esoterik seine Bedeutung: Der Suchende kniet vor einem ihm
immernoch unerschlossenen Geheimnis: Der Weg zum Göttlichen.
Erleuchtung
erkläre ich mir als allumfassende Erkenntnis und Zufriedenheit mit dem
was man ist und besitzt.
Zu
der großen Erkenntniss kommt dann allerdings unweigerlich auch die Qual
des Wissens und Erspührens.
Das
ist dann wohl eine Art Fluch der Weisen. Wenn man dann noch lernt mit
all den höheren Dingen in Frieden zu leben, dann ist man wahrscheinlich
das, was viele erleuchtet nennen.
newsage:
Was zog Sie wieder zurück in die „Zivilisation“? Wie fühlten Sie sich
nach einem Jahr im Wald?
Wo
sich mancheiner auf Dusche und Fernseher freuen würde, fand ich nur
Stress und Unverständniss meinerseits. Ich irrte zunächst verzweifelt
über die unangenehmen Eindrücke umher und bin seit damals immer auf der
Suche nach Kompromissen. Ich habe mich sozusagen nie von der Waldzeit
erholt und bin ein Einsiedler geblieben. Allerdings empfinde ich auch
Dankbarkeit für die Probleme die ich heute in Städten habe. Ich glaube
das meine Abneigung gegen Menschenmassen und Eindrucksüberflutungen ein
gesunder Abwehrmechanissmuss ist.
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Zurück zum Ursprung
Badische
Zeitung 01.09.2004 von Martina Phillipp
tannenspitzen
zum frühstück und ein bett aus weidenruten waren für tim von lindenau
neun monate lang alltag
es
war märz, als tim von lindenau in den wald ging, irgendwo zwischen st.
peter und st. märgen, und es wurde dezember, bis er wieder herauskam.
dass er nach dieser zeit wieder zurück unter dach und dusche ging, war
nicht selbstverständlich. längst habe er alles menschliche unter einer
tanne abgelegt, sagt der mann mit dem rauschebart. ‚“wenn du im wald
lebst, wirst du wald’’, tim von lindenau lacht bei der erinnerung. drei
jahre ist das jetzt her. „entweder ich bleibe hier – oder ich
gehe“, hat er sich eines klirrend kalten wintermorgens im jahr 2001
gesagt. „ich bin zu jung, um im wald zu bleiben“, hat er sich gedacht
und ist gegangen. richtung menschen und richtung butterbrot.
mit
dem butterbrot ist das nämlich so eine sache. „davon bist du richtig
abhängig, das weißt du nur gar nicht“, sagt tim von lindenau. warum das
so ist? von lindenau zieht die schultern hoch –„keine ahnung“.
jedenfalls merkte er erst, als er kein butterbrot mehr hatte, dass er
dringend eins bräuchte. im wald. das rauchen und das weintrinken
aufzuhören, sei kein problem gewesen. aber auf das stopfende, satt
machende butterbrot verzichten? „das war anfangs ein richtiger kampf
zwischen verkorkstem magen und kopf“, erinnert er sich. doch der kopf
hat gewonnen und bald konnte es sich der neue waldbewohner gar nicht
mehr anders vorstellen, als von schmackhaften eicheln, zarten
tannenspitzen, saftigen beeren und wildem thymian zu leben. „meistens
hatte ich so’n ganzen korb mit leckeren sachen bei mir, das war wie ein
voller kühlschrank.“ buchenblätter habe er besonders gemocht: „im
voreibgehen einen ast durch die zähne ziehen, das hat was.“
gegen
den wald kommt laut von lindenau kein reformhaus und kein bioladen an.
„wenn du im wald lebst und isst, brauchst du keine tetanus-spritze“,
meint er. weder der fuchsbandwurm, noch irgendeine zecke habe ihn
jemals heimgesucht. und trotz gelegentlichem bad im bitterkalten bach
habe er sich nie einen schnupfen geholt – „im wald bist du kerngesund.“
Heute kann er sich selbst nicht mehr vorstellen, dass er damals, egal
bei welchem wetter, nie gefroren hat – aber heute raucht und trinkt er
ja auch wieder, von butterbroten ganz zu schweigen.
aus
purer wonne an der askese geht aber kein mensch einfach so in den wald.
auch der selbständige veranstaltungsteckniker tim von lindenau vor gut
drei jahren nicht. vielmehr hatte der gebürtige kölner, der vor sieben
jahren während einer durchreise in freiburg hängen geblieben war,
zuletzt „viel zu viel gearbeitet“. als eines tages auch noch ein großer
auftraggeber pleite ging, zahlte von lindenau mit seinem ersparten die
mitarbeiter aus, sagte sich „das ist doch kein leben“, baute seine
zelte ab und ging nach südspanien, direkt in die höhle eines
nationalparks. dorf fastete er, las bücher über essbare wild- und
kräuterpflanzen, philosophierte über das leben und den tod und wanderte
drei monate später zurück richtung freiburg, mitten in den tiefen wald
zwischen st. peter und st. märgen hinein. „ich wollte den ursprung
finden, meinen und den aller dinge.“
wer
tim von lindenau so reden hört, der fragt sich, was dieser
endzwanziger, denn eigentlich für einer ist. gewesen ist er
jedenfalls schon veganer und betreiber eines „keltischen rings“ – eines
kulturellen treffpunkts für alle liebhaber der keltisch-germanischen
kultur. außerdem ist er gelernter möbeltischler und verdient sein geld
mittlerweile mit dem restaurieren von alten instrumenten, an denen er
sich in seiner miniatur-werkstatt im wohnwagen zu schaffen macht. und
bald will er auch wieder naturführungen anbieten, den großstädtern
wildkräuter zeigen und das feuermachen beibringen.
seit
kurzem hat tim von lindenau 30 ar wiese mit dichten brombeerhecken und
alten apfelbäumen drauf gepachtet. nördlich von freiburg-zähringen. er
setz sich in einen ausgeleierten campingstuhl und strahlt: „genau davon
habe ich schon lange geträumt.“ von einem „mittelding“ zwischen
gesellschaft und natur. „hier habe ich meine ruhe. hier kann ich in der
erde wühlen und mit den bäumen schwätzen.“
trubel
meidet tim von lindenau nämlich. auf ein bierchen in der stadt treffen?
das mag er nicht. freunde wissen bescheid, kommen einfach zu ihm. ganz
schlimm sei es kurz nach der zeit im wald gewesen: „ich habe die welt
nicht mehr verstanden.“ alles sei so laut, so extrem, so unfreundlich
gewesen. man werde halt „ein bisschen schräg“ im wald – so ohne alles
und ohne menschen.
„du
hörst auf, wie ein mensch zu riechen und frühstückst statt mit deiner
freundin mit den eichhörnchen“, erzählt der aussteiger. einmal sei er
nachts aufgewacht, als ein fuchs an seinem ohr geschnuppert habe: „ich
guck’ den fuchs an, der fuchs guckt mich ganz erschrocken an.
dann ist der abgehauen. „interesse habe sogar das sonst so scheue
wild gezeigt, wenn es bis auf wenige meter an ihn heran kam, „und sich
wohl fragte, was dieses komische tier da macht. „von lindenau wirft den
kopf nach hinten, lacht laut. besonders amüsant fand er während der
waldzeit vor allem die wenigen begegnungen mit wanderern und
spaziergängern, wenn er denn mal einen waldweg kreuzte. Er sei damals
mit einem großen hut und wilden lederklamotten umhergestreift. „die
dachten, glaube ich, dass ich ein waldgeist bin.“ fast ein dreiviertel
jahr streifte tim von lindenau so als vermeintlicher waldgeist umher.
wenn die sonne aufgng, schnitzte er sich irgendwas, spazierte im regen
umher oder las bücher, die ihm freunde an eine waldlichtung brachten.
wenn die sonne unterging, verkroch er sich unter seine kleine plane und
legte sich auf sein bett aus weidenruten und kräutern: „man kann es
sich schon hübsch machen, im wald.“
es
war mittlerweile dezember, er hatte seine plane plane sein lassen und
war in eine kleine hütte im wald gezogen, die ihm ein bauer
bereitsgestellt hatte. „eines morgens wache ich auf und meine decke,
meine stiefel und das feuerzeug sind gefroren.“ der ofen war in der
nacht ausgegangen. das sei das zeichen gewesen. das zeichen dafür, dass
die zeit vorbei war. die zeit im wald. heute weiß von lindenau, dass es
nicht die kälte war. dass es nicht dach und dusche waren, wonach er
sich irgendwann wieder begonnen hatte zu sehnen. es war auch nicht das
butterbrot, „es waren die menschen“, sagt er.
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