Christof Rouvel 2004: Tim
von Lindenau und der Wald gehören irgendwie zusammen.Das denkt
man,wenn man dem Freiburger Urgestein gegenüber steht:
schätzungsweise Anfang dreißig (sein tatsächliches
Alter verrät er nicht), 1,85 m groß, mit langer blonder
Mähne und Vollbart. Er wirkt selbstbewußt und
freundlich, scheinbar durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Ein Jahr
verbrachte Tim von Lindenau im Wald. Dieses Jahr hat ihn
verändert. Zuvor hatte er als selbständiger
Bühnentechniker gutes Geld verdient, aber ihn beschlich dabei das
Gefühl, dass das nicht das ganze Leben
sein konnte - so ließ er alles hinter sich und ging in den Wald.
Dort war er plötzlich weit weg von aller Zivilisation. Er
vertiefte sich in das Sammeln von Pflanzen, las Mythen und
überließ sich dem Zauber des Waldes. Zurück gekehrt von
seinen Abenteuern, änderte er sein Leben: Statt weiterhin mit
Hilfe von Technik Gewinne zu machen, stürzte er sich jetzt in die
künstlerische Arbeit und holte sich dabei die Kraft für den
künstlerischen Ausdruck in der Natur.
In seiner Heimatstadt
Freiburg ist Tim von Lindenau bekannt als Musiker und Schriftsteller.
Man nennt ihn den Wikinger und den Waldläufer. Ein Jahr im Wald,
bei Wind und Wetter, bei Tag und bei Nacht – das ist ein Stoff
zur Legendenbildung für alle, die davon träumen, dem Alltag
zu entfliehen. Tim von Lindenau lacht, als er eine passende
Anekdote erzählt: Zurückgekehrt aus dem Wald, wollte er sein
gesammeltes
Erfahrungswissen an Interessierte weitergeben und bewarb sich als
Überlebenstrainer für Manager. Beim Praxistest mit den
anderen Bewerbern hatten alle Teilnehmer ihre kompletten
Überlebensausrüstungen und High-Tech- Schlafsäcke dabei
– außer ihm. Er hatte gar nichts. Als es dann ans
Eingemachte ging, schauten ihm alle staunend zu: Wie man ohne
Streichholz und Feuerzeug ein Feuer macht und wie man sich aus Zweigen
einen Schlafplatz baut.
Den Veranstaltern war das ein bisschen zuviel Überlebenstraining -
er wurde als
einziger Anwärter nicht genommen. Schließlich sollten die
Manager ja nicht auf dumme Gedanken kommen und plötzlich am Sinn
ihres Managerlebens zweifeln!
Tim von Lindenau
lacht gerne und hat sichtlich Freude an seiner Arbeit. Mit ihm kann man
stundenlang philosophieren, denn er will immer hinter die Dinge sehen
und verborgene Zusammenhänge erkennen. Immer
interessiert ihn das Ganze, im Gegensatz zur Einseitigkeit unserer
Wahrnehmungsgewohnheiten, die die Wirklichkeit verkürzen und in
ihrer Vielschichtigkeit verkennen
Tim von Lindenau schreibt und komponiert Lieder und
Stücke. Er entwickelt, spielt und singt Musik zusammen mit Joachim
Wöhrlin, Tom Tetzlaff und Ulrike Braun in der Freiburger Neuzeit-Folkband
„IFINGUR“. Zunächst war es Musik im Stil von
hausgemachtem „Folk“. Nach einer Zeit auf den Freiburers
Bühnen haben sich die Musiker zurückgezogen, um im Studio der
guten alten Folkmusik einen neuen Kick zu verpassen. Das ist ihnen
hörbar gelungen, und langsam eroberte der Neuzeit-Folk von
IFINGUR die CD-Player der lokalen Szene, um dann weitere Kreise zu
ziehen. Allein 2005 entstanden 5 CDs (davon 2 Alben). In Soloprojekten
verbindet Tim von Lindenau die Elemente des Folk mit Neuem, um - wie er
sagt - die tiefere Bedeutung seiner Lieder klanglich zu untermauern.
Seien wir also gespannt, was uns auf der nächsten Platte erwartet!
Neben der Musik schreibt Tim von Lindenau auch Bücher
für alle Altersstufen. „Von Wahrheit und Wandel“ ist
ein persönlicher Erfahrungsbericht aus seiner
“Waldzeit“. Vor einem volkstümlichen Hintergrund gibt
er hier gut gehütete Geheimnisse aus der Welt der Pflanzen und der
Naturgeister preis, sachlich und zugleich spannend verpackt in einer
unkonventionellen Erzählung.
In der Kinder- und Jugendbuchreihe „Tottes
Abenteuer“ erzählt er lustige Geschichten für kleine
Abenteurer und solche, die es werden wollen. Ob Totte hoch in den
Lüften auf einem Blatt umherfliegt oder ob er sich bloß
verschluckt – er erlebt die merkwürdigsten Geschichten. Auch
zwei Hörspiele hat Tim von Lindenau bisher produziert, für
dieses Jahr ist ein weiteres in Planung.
“Kinder brauchen Lieder“ sagt er und
erklärt: „Echte Lieder kommen nicht aus Sample-Maschinen.
Wenn ich daran denke, welche Musik Kinder heute bereits zu
hören bekommen, mag ich mir die Zukunft der Musik gar nicht mehr
vorstellen. Vor lauter Elektronik kann die Musik mit
„echten“ Instrumenten die Kinder gar nicht mehr
erreichen.“
Was treibt diesen Waldmenschen an? Er sagt, er träume
davon, den Menschen mit seiner Musik ein Stück verlorene
Volkskultur zurück zu geben. Dass heute viele Menschen ihr Heil in
fernöstlichen Religionen suchen, sieht er als Zeichen dafür,
dass ihnen der Bezug zum, traditionellen christlichen Glauben verloren
gegangen ist. Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn es noch die
verschütteten Wurzeln der eigenen Tradition wiederzuentdecken
gibt, die weit hinter das Christentum bis zu den Kelten
zurückreichen? Die Kultur der Kelten ist Tim von Lindenaus
Steckenpferd, denn in ihr spielt der Wald eine zentrale Rolle
Freuen wir uns
auf neue Lieder und neue Bücher dieses bodenständigen und
doch außergewöhnlichen Künstlers – und auf das,
was sie ankündigen: auf die „Waldzeit“!
Kristof Rouvel
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Tim von Lindenau
ist im Bergischen Land geboren. Mit dreizehn Jahren fährt er mit dem
Fahrrad nach Köln, um dort Straßenmusik zu machen. Gesang zur Gitarre.
Damals verbrachte er seine Freizeit und die Schulferien damit, durch
die Lande zu trampen um Deutschlands Wälder kennen zu lernen, alleine
oder mit einem Freund. Während seiner Ausbildungszeit zum Tischler
verdiente er sein Geld als Knecht auf einem Pferdehof in der
Elfringhauser Schweiz. Als Geselle zieht er dann die Kluft an und geht
ein Jahr auf die Walz. Zwischendurch arbeitet er als Gärtner und macht
eine 6-monatige Reise quer durch Südostasien, bevor er 1998 in Freiburg
ankommt. Er arbeitet als Schreiner bei den Städtischen Bühnen Freiburg
und machte sich bald selbständig in der Bühnentechnik. Damit hatte er 2
Jahre lang vollen Erfolg bis ihn „der Rappel packte“. Er verlor sich
zunehmend in all der Arbeit. Das Projekt „Naturerleben“ entsteht in
dieser Phase. Ende 2001 reist er, alles zurücklassend, nach Südspanien
und verschanzt sich drei Monate in einer Höhle auf der Suche nach
seinem Ursprung. Dort schreibt er auch ein Buch über essbare
Wildpflanzen. Zu Fuß marschiert er zurück in den Südschwarzwald und
lebt 9 Monate im Wald nahe St. Peter. Zurück in der Zivilisation
startet er in Kirchzarten sein Projekt „Naturerleben“ und gründet mit
Joachim Wöhrlin die Folkband „IFINGUR“. Später stößt Tom Tetzlaf hinzu.
Er lebt zu der Zeit in Kirchzarten und später in Littenweiler von
Möbelrestauration. Am 4.7.2003 eröffnet Tim seine Galerie und das
Keltische Zentrum „Nemeton“ mit der Vernissage seiner Ausstellung
„Elementare Energieleiter“. Der „keltische Ring“ den er gründet, ist
Treffpunkt für (keltisch-germanische) Kultur und Kontakte. Mit
Vorträgen und Themenabenden, einem „Mittelalter-Abend und Tanzabenden,
Seminaren, Vorlesungen, Exkursionen uvm. Ein Jahr später befasst er
sich mit dem Bau von Keltischen Harfen und Zupfinstrumenten. Wieder
folgt eine bewegte Zeit: 6 Monate mit Instrumenten-Werkstatt im
Wohnwagen. Im Frühjahr 2004 pachtet er einen halben Hektar Land und
wird zwischen Wildtal und Freiburg sesshaft. Den darauf folgenden
Winter verbringt er hauptsächlich damit, ein Buch über seine Zeit im
Wald zu schreiben: „Von Wahrheit und Wandel. Geschichten von Lichtern
und Schatten unserer Zeit.“ Er komponiert im Sommer 2005 die Musik für
die Produktion des Films „Prison de l’amour“ von Carsten Böhnke,
übernimmt die Aufnahmeleitung und spielt, wie passend, eine Rolle als
Barde. Im Anschluss an diese Arbeiten entstehen Jugendbücher und
Hörspiele. Im Spätsommer werden auch die letzten Arbeitsschritte beim
Bau des Ton-Studios beendet. Es entstehen weitere CD's und Bücher.
Anna K. Erlenmaier Kulturmanagment |